Tagestour aus AllermöheDie Uhr zeigt bereits 10:35, und der Regen hat immernoch nicht aufgehört. Mal stärker, mal schwächer prasselt es weiterhin ungnädig vom Himmel herab auf die großen Hallen des Hauptbahnhof. Ob wir trockenen Fußes am Verein ankommen werden? Die ersten von uns Jugend-Ruderern versammeln sich langsam am vereinbarten Treffpunkt im Hauptbahnhof. Kleine Missverständnisse wie „welcher der beiden Le Crobag Läden ist denn eigentlich gemeint?“ klären sich natürlich sofort, nur Stini und Katha - 2/3 der Goldberg-Schwestern – sind noch immer nicht aufgetaucht. Ein Anruf von Coco, der sich durch das Gewusel des Hauptbahnhofes nun doch endlich seinen Weg bahnen kann, und das Rätsel ist gelöst: Wasserfeste einmal-Kameras! Grandios, nun können wir nicht nur unsere Überfahrt auf Bildern verewigen, sondern auch hoffen, dass Jeder noch mit einer analogen Kamera umzugehen weiß.
Elf Mädels und Jungs an der Zahl sind wir nun mittlerweile und es ist fast elf Uhr. Um den Bus nach der Bahn noch zu erwischen, müssten wir nun langsam aber sicher aufbrechen. Stini und Katha sind noch nicht in sichtweite. Stini und Katha werden nun einfach mit einer späteren Bahn zu uns stoßen.. Die Stimmung ist weiterhin mau, genauso wie die Aussichten, dass der Regen sich in nächster Zeit in Wohlgefallen auflösen würde. Eine kurze Abstimmung, um den Gruppen-Konsens zu erfahren, und trotz der Gefahr sich zu erkälten raffen sich auch die Unentschlossenen unter uns dazu auf mit in die Bahn Richtung Olympia-Stützpunkt zu steigen.
Gesagt getan, denn nach einer Vereinigung mit den Goldbergern sitzen wir auch bereits im Bus Richtung Wasser unter unseren Füßen und über unseren Köpfen.

Niemand rechnet mittlerweile damit, aber just nach der kurzen Teambesprechung und dem Rüsten unserer Boote schallt vom Steg Stini’s uns allen bekannte laute Stimme: „Schaut euch das an, von der Seite da hinten zieht es blau auf! Wolkenlos-blau!“. Und wo keine Wolken sind, kann man auch nicht nass werden! Zumindest nicht von oben.

Kaum sind wir auf dem Wasser, erreichen wir bereits die erste Schleuse und finden uns in Windes-eile bereits auf der Elbe. Das mit dem „Hipp-Hipp, Hurra!“ für den Schleusenwart (Coco, dein Wort!) müssen wir dann doch nochmal üben, zwei Schleuen haben wir ja noch vor uns. Die friedliche Stille wird nur von dem sonoren klicken der Dollen-Anlage, dem windigen und welligen Geräuschen der Natur, und das eine oder andere mal von unseren Rufen und Schnack durchbrochen. Doch keine Ausfahrt ohne ein kleines Abenteuer: Lauritz und Simon tauschen in einem der Vierer die Plätze (Steuer/1) und leider sitzt eine der Schrauben am Trittbrett zu fest. Zumindest so fest, dass Simon vom Steuerplatz wieder Richtung 1 turnen muss, sodass Lauritz das Trittbrett einstellen kann. Ein kleines Donnergrollen lässt nun alle drei Boote aufhorchen. Kein Gewitter bahnt sich an, denn der Himmel ist immernoch bis auf wenige kleine dunkle Geschwader strahlend blau. Eine ganze Gruppe Speedboote ist Strom-Aufwärts der Elbe zu sehen, schnell näher kommen. Sogar sehr schnell. Leichte Hektik breitet sich auf der Flensburger Förde aus, beinahe mit nassen Ende. Gerade mal rechtzeitig kommen die Boote in die Nähe des Ufers, um nicht die volle Wellen-Kraft der dahin rasenden Speedboote erwischt zu werden.

Nach diesem kleinen Akt bewegen wir uns langsam Richtung Innenstadt. Die grandiose Anblick der Speicherstadt vom Wasser aus, sowie die Blicke der Passanten und Spaziergänge machen Freude. Vor allem mehr als erwartet, denn teilweise bricht Sonnenschein durch die Wolken.

Ein kurzer Zwischenstop am Rathausmarkt – Shalida, Katha und Jan eilen zum berühmt berüchtigten Fastfoodladen, um den Großteil des Teams mit Burgern zu versorgen. Wir sind die Attraktion im Fleet, Passenten bleiben stehen und sehen den Booten beim auf der Stelle treiben zu! Auch Schwäne wittern ihre Chance, Dunya und co. im anderen Boot müssen sich beinahe verteidigen, und was nähert sich von hinter uns? Ein Alster-Dampfer. Es könnte eng im kleinen Fleet werden. Genau rechtzeitig kommen Shalida, Katha und Jan mit der Beute ins Boot geeilt und die Gruppe bewegt sich auf die Innenalster zum wohlverdienten Burger-Stop.

Fast wie im Fluge vergeht die Zeit auf der bereits hunderte Male geruderten Strecke Richtung Norden, ein Ende ist in Sicht! Kaum am Verein angekommen und die Boote halb in der Halle, werden auch bereits die Pizzen bestellt und füllen nun auch die noch leeren Mägen. Ein Tag mit leicht düsterer Aussicht ist dann wohl doch noch ganz schön geworden.

Simon Zeller